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15. Januar 2006
Bilanzrechner im Netz als Rettungssignal
Wirtschaftsspiegel im Gespräch mit Wirtschaftsstaatssekretär
Dr. Haseloff
Noch im alten Jahr hat Sachsen-Anhalts
Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Reiner Hasloff unter dem Titel
NETWORK-KMU ein Projekt eröffnet, das besonders kleinen
Unternehmen, die mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, Hilfe
und Unterstützung geben soll. Der Wirtschaftsspiegel sprach
dazu mit Dr. Reiner Haseloff. Wirtschaftsspiegel: Was verbirgt
sich hinter dem recht sperrigen Namen, der nicht unbedingt
Interesse hevrorruft? Dr. Reiner Haseloff: Der Hintergrund ist
ganz einfach. Wir geben seit Jahren sehr viel Geld aus, um
Unternehmensgründungen zu fördern. Sind sie dann aber
irgendwann auf dem Markt, dann sind sie sich selbst überlassen.
Funktioniert es dann im Unternehmen vor dem schwierigen
Wirtschaftshintergrund mal nicht so richtig, dann sind solche
Unternehmen schnell in der Insolvenz und die aus Steuergeldern
geflossenen Fördermittel sind verloren. Wirtschaftsspiegel: Es
geht also darum, angeschlagenen Firmen zu helfen, damit sie
nach Möglichkeit dauerhaft am Markt bleiben? Dr. Reiner
Haseloff: Natürlich. Ob man das jetzt Bestandspflege nennt oder
Wirtschaftsfeuerwehr, das ist völlig egal. Wichtig ist nur,
dass die Unternehmen, die vielleicht nur instinktiv spüren,
dass es bei unvorhergesehenen Ereignissen plötzlich "dünn"
werden könnte, für ein Hilfsangebot sensibilisiert werden.
Wirtschaftsspiegel: Und wie soll das geschehen? Dr. Reiner
Haseloff: Wir, das Wirtschaftsministerium, haben gemeinsam mit
der Trägergesellschaft Land Sachsen-Anhalt GmbH und der
Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH ein Internetportal
installiert, das denkbar einfach funktioniert. Völlig anonym
kann jeder Unternehmer hier eine persönliche Checkliste
abrufen, in die er seine Betriebsergebnisse einträgt. Die
Grundanalyse sagt ihm dann sofort, wo seine Schwachstellen
liegen. Sind die einmal ermittelt, lassen sich nun mit
verzweigten speziellen Analysen, natürlich ebenfalls anonym,
eventuelle Lösungen finden. Wirtschaftsspiegel: Und wenn ich
nun für diese Lösungen Unterstützung brauche? Dr. Reiner
Haseloff: Die finden sie ebenfalls auf diesen Seiten. Dort
stehen die Namen und Adressen der Ansprechpartner, die für das
spezielle Problem genau die richtigen sind. Wirtschaftsspiegel:
Das gejt dann natürlich nicht mehr anonym... Dr. Reiner
Haseloff: Es ist ganz klar: Wenn man erkannt hat, dass man
Hilfe braucht und wo, dann muss man sich natürlich "outen". Die
Entscheidung dazu trifft aber der Unternehmer ganz allein. Wir
wollen nur Hilfe anbieten, nicht aufdrängen.
Wirtschaftsspiegel: Und wenn man nach der Grundanalyse erkennt,
dass man eigentlich kaum noch eine Chance hat? Dr. Reiner
Haseloff: Auch dann ist es wichtig, professionelle Hilfe in
Anspruch zu nehmen. Da sind nämlich arbeitsrechtliche Vorgaben
zu beachten, oder es geht um richtige Abwicklung der Firma.
Vielleicht läßt sich aber noch eine andere Lösung finden. Jede
vermiedene Insolvenz bedeutet nicht nur gesparte Steuergelder,
sondern auch den Erhalt von Arbeitsplätzen. Wer einmal mit
seinem Unternehmen vom Markt ist, dessen Lücke wird ganz
schnell durch andere gefüllt und es ist kaum möglich, das
wieder rückgängig zu machen. Wir sind deshalb besonders daran
interessiert, mit diesem Hilfsmittel Insolvenzen zu vermeiden.
Wirtschaftsspiegel: Mit welcher Resonanz rechnen sie auf dieses
Hilfsangebot? Dr. Reiner Haseloff: Mit einem großen Anstrum
hatten wir gerechnet, denn schließlich haben wir 80 Prozent der
Unternehmen in Sachsen-Anhalt mit weniger als 20 Angestellten.
Und das sind gerade die Größenordnungen, die es am Markt
besonders schwer haben. Dass wir aber vier Tage nach
Freischaltung der Seite bereits mehr als 1500 Zugriffe hatten,
damit hatte niemand gerechnet. Inzwischen liegen bereits die
ersten wichtigen Rettungsaufgaben auch auf unserem Tisch, und
wir werden tun, was wir können.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Operationellen Programms
des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt
gefördert:

