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14. Juli 2006
Investitionsbank und Land setzen Schwerpunkt auf Bestandssicherung
Mit "MuT" können kleine Firmen Aufträge vorfinanzieren
Investitionsbankchef Manfred Maas und Wirtschaftsminister
Reiner Haseloff ( CDU ) haben gestern in Magdeburg eine groß
angelegte Informationskampagne zu Fördermöglichkeiten für den
Mittelstand gestartet. Dabei haben sie die Sicherung
bestehender Unternehmen im Blick. Mit diesem Ziel wurde das
Mittelstands- und Technologiedarlehen ( MuT ) aufgewertet.
Magdeburg. Um bei der Reduzierung der Arbeitslosigkeit
voranzukommen, reiche es nicht aus, neue Investitionen ins Land
zu holen, merkte Haseloff gestern an. Sie brächten zwar
jährlich Tausende neue Arbeitsplätze, doch gleichzeitig brächen
bestehende Unternehmen in Größenordnungen weg. So sei die Zahl
der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit Beginn der
90 er Jahre stetig gesunken. Erst in den vergangenen Monaten
wurde eine zarte Trendwende eingeleitet. Haseloff vermeldete
einen leichten Anstieg der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigungsverhältnisse um 849 auf nunmehr 715 800.
Gleichzeitig wurde bei der Arbeitslosenquote erstmals eine 17
vor dem Komma erreicht. Für die Beschäftigungssicherung könne,
so Haseloff, viel getan werden, wenn die über 60 000
bestehenden Unternehmen in Sachsen-Anhalt besser begleitet und
unterstützt und so Firmenpleiten verringert würden. Nach
Angaben des Statistischen Landesamtes gingen im vergangenen
Jahr 1420 Unternehmen in Insolvenz. " Häufig geraten kleine und
mittlere Unternehmen auf Grund einer geringen
Eigenkapitaldecke, gepaart mit Forderungsausfällen, in
Bedrängnis. Es fehlt das Geld, um die Vorleistungen an Personal
und Material zu erbringen, um so die anstehenden Aufträge zu
erfüllen ", sagte Haseloff. Mit dem Mittelstands- und
Technologiedarlehen der Investitionsbank will das Land diese
finanzielle Lücke schließen. Statt früher zu 80 Prozent können
kleine und mittlere Unternehmen sowie Freiberufl er nun zum
Beispiel zu 100 Prozent Aufträge vorfi nanzieren. Die Darlehen
haben Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren und werden mit sechs
Prozent pro Jahr verzinst, erklärte Investitionsbankchef
Manfred Maas. Sondertilgungen seien ohne Mehrkosten möglich.
Ein tilgungsfreies Startjahr eröffne zusätzliche
Liquiditätsspielräume. Im vergangenen Jahr seien 70
MuT-Darlehen bewilligt worden, die sich in der Höhe im Schnitt
zwischen 160 000 und 200 000 Euro bewegten. Möglich seien
Darlehenssummen von 10 000 bis 500 000 Euro. Um
Technologiesprünge in Unternehmen finanziell abzusichern,
könnten sogar Darlehen bis zu einer Million Euro ausgereicht
werden, so Maas. Um das Ausfallrisiko für die Investitionsbank
zu minimieren, " sehen wir uns die Unternehmen vorher genau an
", unterstrich der Investitionsbankchef. Etwa 30 Prozent der
Anträge würden abgelehnt. Hauptkriterien für die Vergabe seien
die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen und ihre Fähigkeit, den
Kapitaldienst zu leisten. " Zu vielen Unternehmen ist es noch
nicht durchgedrungen, dass es diese Möglichkeiten gibt ", sagte
Haseloff. Aus diesem Grunde startete er gestern mit Maas
gemeinsam eine Aufklärungskampagne. In den nächsten Wochen
sollen die Unternehmen entsprechendes Informationsmaterial in
ihren Briefkästen finden. Persönlich übergaben Maas und
Haseloff das Papier gestern Jan Stampka, Geschäftsführer der
Firma Stampka Elektro in Magdeburg. Das Unternehmen mit 89
Mitarbeitern hatte bereits im vergangenen Jahr ein MuT-Darlehen
zur Auftragsvorfi nanzierung erfolgreich in Anspruch genommen.
Der Betrieb setzte das Geld ein, um die Personal- und
Materialkosten für die Elektroinstallation des
Kreiskrankenhauses Haldensleben ( Auftragsvolumen : 2, 6
Millionen Euro ) vorzufinanzieren. " Wir hatten mehrere Objekte
gleichzeitig. Das Darlehen hat uns die Aufgabe sehr erleichtert
", sagte Stampka. Der sachsen-anhaltische Landeshaushalt werde
mit dem Programm ebenfalls entlastet, betonte Reiner Haseloff.
Die Finanzierung werde von der Investitionsbank und aus Mitteln
der Europäischen Union bestritten.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Operationellen Programms
des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt
gefördert:

